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Freitag, 1. Januar 2010

Avatar-Zuschauer, Spiegel der Gesellschaft?

Ich schreibe diesen Artikel, da ich heute feststellen musste, dass nicht nur ich, sondern auch andere Menschen im Kino eine Erfahrung gemacht haben, welche ich als Fehlentwicklung der Gesellschaft deute.

Ich warne gleich, wer den Film nicht gesehen hat, kann diesen Artikel vermutlich nicht vollkommen nachvollziehen, deshalb

ACHTUNG SPOILER:

Im Film Avatar geht es um Menschen, welche auf einen Planeten namens Pandora reisen, auf welchem schon eine intelligente Lebensformen, die Na'vi leben. Um bestimmte Ressourcen zu schürfen, zerstören die Menschen den Lebensraum der Na'vi. Gegen Mitte des Films kommt es dann zur Zerstörung des Zuhauses der Na'vi durch die Menschen, welche dabei äußerst brutal und ohne Rücksicht auf die dortigen Bewohner vorgehen, dabei sind die Na'vi ein völlig friedliches Volk, welches den Menschen keinen Grund zu Aggressionen geben, außer dass sie ihr Zuhause nicht verlassen wollen.

Der Herr Scheibe beschreibt bei stern.de die Erfahrung, dass Jugendliche es beim Film "Avatar" nicht schaffen, sich auf die Seite der Na'vi zu stellen:
"Überhaupt scheinen viele der jüngeren Zuschauer Probleme damit zu haben, sich in der zweiten Hälfte des Films auf die Seite der Na'vi zu schlagen. Als die Kampfhubschrauber der Menschen den riesigen Lebensbaum der Außerirdischen zu Kleinholz zerlegen, tönt es hinter unter uns schon wieder: "Ja, macht sie fertig, diese Krishna-Bläulinge. Macht aus Pandora einen Parkplatz aus Beton.""

http://www.stern.de/digital/computer/scheibe/scheibes-kolumne-avatar-in-3d-trampelhorde-im-kino-1532809.html

Wie kann es sein, dass insbesondere Jugendliche sich heute lieber hinter die "starken" aber eindeutig bösen Menschen stellen, anstatt sich darauf einzulassen, die Na'vi zu unterstützen? Gilt das Unterstützen des Schwächeren als Schwäche in einer Gesellschaft, in welcher nur die klügsten, stärksten, egoistischsten am Ende Gewinner sein dürfen und die Schwächsten es verdient haben, nicht unterstützt zu werden oder man gar der Meinung ist, man müsse ihnen das Leben besonders schwer machen, sie bekämpfen, da sie ein "belastender Faktor" für die Gesellschaft und damit für einen selber sind? Wie schafft es die FDP den Jugendlichen diese Ellbogenmentalität schon in so frühen Jahren einzuimpfen?

Liegt die Ursache vielleicht auch darin, dass viele Jugendliche auch heute noch von braunem Gedankengut vereinnahmt sind, aber aufgrund des gesellschaftlichen Drucks dieses nur bei Fantasiegeschichten zum Vorschein kommt? "Wer nicht zu mir gehört (in diesem Fall der Rasse Mensch angehört), der hat kein Mitleid zu erwarten, wenn er sich in der heutigen Gesellschaft nicht verteidigen kann und wenn er dann eine andere Hautfarbe (in diesem Fall blau) hat, dann muss er, wenn er auf Ressourcen sitzt, die er selber nicht einmal nutzen kann, diese rausrücken, tut er es nicht, muss er mit seiner Vernichtung rechnen."

Von wievielen Leuten hört man auch heute noch, wir hätten ein Recht auf das arabische Öl, diese können es doch sowieso nicht richtig gebrauchen und sie müssen dieses freiwillig zu diktierten Preisen verkaufen, ansonsten haben sie selber Schuld, wenn man sie auf verschiedene Art und Weisen unter Druck setzt oder es sich eben holt.

Wenn man bedenkt, wie wenig die Rede von Jacques Chirac damals kritisiert wurde, in welcher er mit Einsatz von Atomwaffen drohte um „lebenswichtige Interessen“ einschließlich der „strategischen Versorgung“ Frankreichs zu sichern, weiß man, dass die Hemmschwelle, den Tod von Zivilisten anderer Staaten in Kauf zu nehmen, nur um an Ressourcen zu kommen, stark gesunken ist, nicht nur Merkel distanzierte sich nicht von dieser Aussage Chiracs.

Ich weiß nicht, ob vielleicht einige Jugendliche heute im Kino das aussprechen, was schon vor 30 Jahren durch die Köpfe der Jugend ging und heute nur so unhöflich geworden sind, die anderen mit ihren Gedanken zu belästigen, aber für mich ist das nach dem guten Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl ein weiteres Zeichen dafür, dass sich die Menschen in Deutschland schon wieder zu sehr in eine Richtung entwickelt haben, in welcher man sie für Kriege gegen andere Staaten, insbesondere Staaten, welche in ihrer technischen Entwicklung noch zurück liegen, instrumentalisieren kann. Da man im allgemeinen CSU- und CDU-Wähler als Mitläufer bezeichnen kann, welche immer gern einen Führer über sich haben, der ihnen sagt, wohin sie gehen sollen und da ungern diskutieren, scheint eine Mehrheit solcher Menschen momentan einer Mehrheit von Leuten gegenüber zu stehen, welche garnicht wählen und glauben, sie könnten sowieso nichts bewirken.

Der nächste Krieg kommt also und wir werden dabei sein. Beim Irakkrieg wollte die Merkel noch, aber da durfte sie noch nicht. Drücken wir die Daumen, dass sich Obama als Friedensnobelpreisträger zu keinem Krieg hinreißen lässt.

Dieser Artikel ist natürlich eine Überspitzung der Realität, zu interpretieren wo ich übertreibe, bleibt natürlich jedem selber überlassen.

Yacine Ghoggal

1 Kommentar:

  1. Wenn ich Dich so lese, bitte mehr davon, merke ich, welch konservative Wortwahl ich doch verwende. ;)

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